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Was Kalkputz gegen Schimmel im Innenraum leistet

Kalkputz hemmt Schimmel, weil frischer Kalkmörtel nach dem Umweltbundesamt einen pH-Wert über 12 hat und Schimmelpilze oberhalb von pH 11 so gut wie nicht wachsen. Die Wirkung lässt durch Karbonatisierung nach. Schimmel entsteht ab 70 bis 80 Prozent Oberflächenfeuchte; die Ursache, meist eine kalte Wand unter 12,6 Grad oder zu wenig Lüftung, beseitigt kein Putz.

Warum Schimmel an Innenwänden wächst

Schimmelpilze brauchen zum Wachsen keine nasse Wand. Nach dem Leitfaden des Umweltbundesamtes zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (Stand April 2024) genügt eine relative Luftfeuchte von 70 bis 80 Prozent an der Oberfläche des Materials, wenn sie über längere Zeit einwirkt. Bei 80 Prozent Oberflächenfeuchte und Temperaturen deutlich über null Grad sind die Wachstumsbedingungen für viele innenraumrelevante Arten erreicht, darüber können nahezu alle Arten wachsen. Die Fachleute beschreiben das mit der Wasseraktivität, dem aw-Wert: 0,8 entspricht etwa 80 Prozent Feuchte an der Materialoberfläche.

Die Oberflächenfeuchte hängt von der Raumluft und von der Temperatur der Wand ab. Warme Luft mit 50 Prozent Feuchte kühlt an einer kalten Wandoberfläche ab, und die relative Feuchte in der dünnen Luftschicht direkt an der Wand steigt. Das Umweltbundesamt beschreibt die Oberflächentemperatur als Ergebnis von Raumlufttemperatur, Außentemperatur, U-Wert der Außenwand und Wärmeübergangswiderstand an der Innenseite. Deshalb sitzt Schimmel in Außenecken, hinter Schränken an Außenwänden, an Fensterlaibungen und an Wärmebrücken, also an Stellen, an denen die Wand kälter ist als der Rest des Raumes.

Oberflächenfeuchte, ab der viele Schimmelpilzarten wachsen
80 Prozent relative Feuchte an der Materialoberfläche
Umweltbundesamt, Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden, Stand 1. April 2024
pH-Wert, oberhalb dessen Schimmelpilze so gut wie nicht mehr wachsen
pH 11; kalkbasierter Putzmörtel liegt frisch über pH 12
Umweltbundesamt, Schimmelleitfaden, Kapitel 1 und 6, Stand 1. April 2024
Mindest-Oberflächentemperatur innen nach DIN 4108-2 (20 Grad innen, minus 5 Grad außen, 50 Prozent Feuchte)
12,6 Grad Celsius, Temperaturfaktor fRsi mindestens 0,70
Gebäudeforum klimaneutral (dena), Mindestwärmeschutz, Stand 1. November 2021

Die Norm DIN 4108-2 setzt für den Mindestwärmeschutz eine Grenze: An der ungünstigsten Stelle der Innenoberfläche muss der Temperaturfaktor fRsi mindestens 0,70 betragen. Bei 20 Grad Raumluft, minus 5 Grad Außenluft und 50 Prozent Raumluftfeuchte entspricht das nach Angaben des Gebäudeforums klimaneutral einer Oberflächentemperatur von mindestens 12,6 Grad. Fällt eine Wandecke im Winter darunter, wächst dort Schimmel, gleichgültig, welcher Putz auf der Wand sitzt. Diese Zahl ist der Maßstab, an dem Sie jede Putzempfehlung messen sollten.

Was der pH-Wert von Kalkputz bewirkt und wie lange

Kalkputz wirkt über seinen pH-Wert, das Maß für die Alkalität einer Oberfläche. Nach dem Umweltbundesamt wachsen viele Schimmelpilzarten zwischen pH 3 und 9 gut, einzelne Arten tolerieren pH 2 bis 11. Oberhalb von pH 11 wachsen Schimmelpilze so gut wie nicht mehr. Kalkhaltige Baustoffe wie kalkbasierter Putzmörtel oder Beton können pH-Werte von mehr als 12 aufweisen. Der Leitfaden zählt in Kapitel 6 Silikatfarben, Kalkanstriche und Kalkputze mit einem pH-Wert über 11 ausdrücklich zu den Materialien, mit denen erneutem Schimmelbefall vorgebeugt oder das Wachstum deutlich gehemmt werden kann.

pH-Werte von Wandoberflächen und Wachstumsbereich von Schimmelpilzen nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes, Stand April 2024.
Oberfläche oder BereichpH-WertBedeutung für Schimmel
Raufasertapeteetwa 5im Wachstumsbereich
Kunstharz-Dispersionsanstrichetwa 8im Wachstumsbereich
Guter Wachstumsbereich vieler Arten3 bis 9Schimmel wächst
Von einzelnen Arten tolerierter Bereich2 bis 11einzelne Arten wachsen noch
Kalkbasierter Putzmörtel, Beton, frischüber 12Schimmel wächst so gut wie nicht
Kalkputz und Kalkanstrich nach Jahren der KarbonatisierungsinkendWirkung lässt nach, Staubschicht bietet neues Substrat

Die Wirkung ist zeitlich begrenzt, und das ist der Punkt, den Produktwerbung auslässt. Kohlendioxid aus der Luft reagiert mit dem Kalk, der Fachbegriff dafür ist Karbonatisierung, und senkt den pH-Wert allmählich. Das Umweltbundesamt schreibt deshalb, dass Kalkanstriche nur eine zeitlich begrenzte Wirkung gegen Schimmelpilzwachstum haben und bei starkem Feuchteanfall, etwa im Keller, regelmäßig erneuert werden müssen. Dazu kommt, dass Schimmel auf einer Staubschicht wachsen kann, die sich auf jeder Oberfläche bildet, auch auf einer alkalischen. Reine Kalkanstriche sind zudem oft nicht wisch- und abriebfest; der Leitfaden nennt Silikatfarben als bessere Alternative mit ähnlich hohem pH-Wert.

Was Feuchtepufferung leistet und was nicht

Das zweite Argument für Kalkputz ist die Feuchtepufferung. Das Umweltbundesamt beschreibt sie in Kapitel 3.1.7 seines Leitfadens so: Bei steigender Luftfeuchte nimmt das Material Feuchte auf, die Fachleute nennen das Adsorption, und leitet einen Teil durch Diffusion in tiefere, trockenere Bereiche. Sinkt die Luftfeuchte, gibt das Material die Feuchte wieder ab, das ist die Desorption. Die Pufferwirkung ist meist auf wenige Millimeter Tiefe beschränkt; nur die innenraumnahen Materialien tragen merklich dazu bei. Ein Putz von 15 Millimetern Dicke puffert also nicht mit seiner ganzen Masse, sondern mit seiner Oberfläche.

Ob die Pufferung Schimmel verhindert, lässt der Leitfaden bewusst offen. Wörtlich heißt es, aus der Verringerung der Raumluftfeuchteschwankungen lasse sich ein Einfluss auf das Schimmelwachstum nicht unmittelbar ableiten. Werden aber Feuchtespitzen gepuffert, die ohne Pufferung zu Kondensation oder erhöhter Oberflächenfeuchte geführt hätten, könne das Schimmelbefall vorbeugen. Für Sie heißt das: Kalkputz hilft im Bad nach dem Duschen und in der Küche nach dem Kochen, wenn die Feuchte kurz ansteigt und danach wieder abgelüftet wird. Er hilft nicht, wenn die Feuchte dauerhaft hoch bleibt, weil niemand lüftet oder weil Wasser aus dem Mauerwerk nachkommt.

  • Kalkputz kann kurzzeitige Feuchtespitzen an der Oberfläche abfangen und über einen hohen pH-Wert das Keimen von Sporen hemmen, solange die Oberfläche alkalisch bleibt.
  • Kalkputz kann keine Wandoberfläche wärmer machen; eine Ecke mit 11 Grad bleibt mit Kalkputz eine Ecke mit 11 Grad.
  • Kalkputz kann keine dauerhaft hohe Raumluftfeuchte senken; das leisten Lüften, Heizen und die Beseitigung der Feuchtequelle.
  • Kalkputz kann aufsteigende oder eindringende Feuchte aus dem Mauerwerk nicht stoppen; dort ist er nach kurzer Zeit selbst durchfeuchtet.
  • Kalkputz kann einen vorhandenen Befall nicht sanieren; das Umweltbundesamt verlangt bei tiefgehendem Befall im Putz die Entfernung des Putzes, nicht das Überputzen.

Woran Sie echten Kalkputz am Datenblatt erkennen

Kalkputz ist kein geschützter Begriff. Werkmörtel für Putz werden nach der europäischen Norm DIN EN 998-1 klassifiziert, und die Klassen stehen auf jedem Sack und in jedem Datenblatt. Die wichtigste Angabe ist die Druckfestigkeitskategorie nach 28 Tagen: CS I mit 0,4 bis 2,5 N/mm², CS II mit 1,5 bis 5,0, CS III mit 3,5 bis 7,5 und CS IV ab 6,0 N/mm². Das Planungshandbuch der Kalksandsteinindustrie (Stand Januar 2018) ordnet die Bindemittel zu: Putzmörtel mit Luftkalk als Hauptbindemittel liegt üblicherweise in CS I, Mörtel mit hydraulischem Kalk in CS I oder CS II, Kalk-Zementmörtel in CS II oder CS III und Zementmörtel in CS III oder CS IV.

Ein Produkt, das als Kalkputz verkauft wird und CS III trägt, enthält also mit hoher Wahrscheinlichkeit Zement als wesentliches Bindemittel. Das ist kein Betrug, aber ein anderer Baustoff: härter, weniger sorptionsfähig und mit anderem Verhalten auf weichen Altbauwänden. Die zweite Angabe ist die kapillare Wasseraufnahme: W0 ohne Anforderung, W1 höchstens 0,40 und W2 höchstens 0,20 Kilogramm je Quadratmeter und Wurzel aus Minuten. Die Klassen W1 und W2 verlangt DIN 4108-3 für wasserabweisende Außenputze je nach Schlagregenbeanspruchung; ein Innenputz muss keine dieser Anforderungen erfüllen.

Putzmörtel nach Bindemittel und ihre übliche Druckfestigkeitskategorie nach DIN EN 998-1. Quelle: Kalksandstein Planungshandbuch, Kapitel Mauermörtel und Putz, Stand Januar 2018; Kategorien nach ausbau+fassade Lexikon.
BindemittelÜbliche KategorieDruckfestigkeit in N/mm²Typischer Einsatz
Luftkalk (Kalkhydrat) als HauptbindemittelCS I0,4 bis 2,5Denkmalpflege, Innenputz auf weichem Altbaumauerwerk
Hydraulischer Kalk (NHL, HL)CS I oder CS II0,4 bis 5,0Außenbereich, Denkmalpflege, Innenräume mit Feuchtespitzen
Kalk und ZementCS II oder CS III1,5 bis 7,5Außenbereich, Sockel, tragfähige Innenwände
Zement als HauptbindemittelCS III oder CS IVab 3,5Sockel, Kelleraußenwände

Prüfen Sie beim Angebot deshalb nicht das Wort Kalkputz, sondern drei Zeilen des Datenblatts: die Kategorie CS, die Klasse W und das genannte Hauptbindemittel. Ein Betrieb, der Ihnen das Datenblatt nicht gibt, hat es entweder nicht gelesen oder möchte nicht, dass Sie es lesen. Beides spricht gegen den Auftrag.

Wann Kalkputz reicht und wann die Wand saniert werden muss

Vor jedem Putz steht die Frage nach der Ursache. Das Umweltbundesamt unterscheidet drei Kategorien des Befalls: Kategorie 1 mit geringen Oberflächenschäden unter 20 Quadratzentimetern, Kategorie 2 mit oberflächlicher Ausdehnung unter 0,5 Quadratmetern und nur lokal betroffenen tieferen Schichten, Kategorie 3 mit großer flächiger Ausdehnung über 0,5 Quadratmeter, bei der auch tiefere Schichten betroffen sein können. Befall der Kategorie 2 mit bekannter Ursache dürfen Betroffene meist selbst beseitigen, sofern sie nicht allergisch reagieren; bei größerem Befall oder unbekannter Ursache soll eine Fachfirma hinzugezogen werden.

Reicht Kalkputz gegen den Schimmel an meiner Wand?

Ist der sichtbare Befall größer als ein halber Quadratmeter oder liegt er tiefer als die Oberfläche?

Ja

Nein. Das ist Kategorie 3 nach dem Umweltbundesamt. Die Sanierung gehört in die Hand einer Fachfirma, befallener Putz wird entfernt, und erst danach ist ein Kalkputz die neue Oberfläche.

Nein

Liegt die Oberflächentemperatur der betroffenen Stelle im Winter unter 12,6 Grad, gemessen mit einem Infrarotthermometer bei 20 Grad Raumluft?

Ja

Nein, nicht allein. Die Wand unterschreitet den Mindestwärmeschutz. Ein Kalkputz hemmt das Keimen eine Zeit lang, aber die Ursache bleibt: Wärmebrücke oder ungedämmte Außenwand. Innendämmung (nach co2online 50 bis 100 Euro je Quadratmeter) oder Fassadendämmung beseitigen sie.

Nein

Liegt die Raumluftfeuchte dauerhaft über 60 Prozent, gemessen mit einem Hygrometer über mehrere Tage?

Ja

Nein, nicht allein. Zuerst Lüften und Heizen nach den Regeln der Verbraucherzentrale, dann die Feuchtequelle suchen. Ein Kalkputz puffert Spitzen, keine Dauerfeuchte.

Nein

Ja, mit Einschränkung. Bei kurzen Feuchtespitzen an einer ausreichend warmen Wand ist ein Kalkputz mit Kalk- oder Silikatanstrich eine wirksame Vorbeugung. Befall vorher nach den Regeln des Umweltbundesamtes entfernen.

  1. Hygrometer aufstellen und die relative Luftfeuchte eine Woche lang morgens und abends notieren; Zielbereich nach Verbraucherzentrale und Umweltbundesamt 40 bis 60 Prozent.
  2. Oberflächentemperatur der befallenen Stelle und einer unauffälligen Stelle derselben Wand an einem kalten Tag mit einem Infrarotthermometer messen und mit 12,6 Grad vergleichen.
  3. Befallsfläche ausmessen und fotografieren: unter 20 Quadratzentimetern, unter 0,5 Quadratmetern oder darüber; damit steht die Kategorie nach dem Umweltbundesamt fest.
  4. Feuchtequelle eingrenzen: Kondensat an kalter Fläche, Wasserschaden aus Leitung oder Dach, oder aufsteigende Feuchte im Erdgeschoss und Keller.
  5. Erst danach die Maßnahme wählen: Lüften und Heizen, Dämmung der kalten Fläche, Trocknung nach Wasserschaden, oder Kalkputz als vorbeugende Oberfläche auf saniertem Untergrund.

Wie Sie mit Lüften und Heizen die Oberflächenfeuchte senken

Der billigste Schimmelschutz ist Luftwechsel. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine relative Luftfeuchte von 40 bis 60 Prozent und Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern: im Winter drei bis fünf Minuten, im Frühjahr und Herbst zehn bis 20 Minuten, insgesamt mindestens drei- bis viermal am Tag ein vollständiger Luftaustausch. Das Umweltbundesamt nennt für die kalte Jahreszeit zwei- bis dreimal täglich etwa fünf Minuten je Raum, nach dem Duschen und Kochen fünf bis zehn Minuten sofort. Wohn- und Schlafräume sollen tagsüber auf mindestens 16 bis 18 Grad geheizt werden.

Diese Zahlen greifen an derselben Stelle wie der Kalkputz, nur wirksamer: Sie senken die Feuchte in der Luftschicht an der Wand, bevor sie 80 Prozent erreicht. Ein Kalkputz an einer Wand, hinter der ein Kleiderschrank ohne Abstand zur Außenwand steht, verliert gegen die kalte, stehende Luft dahinter. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, keine Möbel direkt vor kalte Außenwände zu stellen; das Umweltbundesamt nennt die Bereiche hinter und unter dem Bett und hinter massiven Möbeln als typische Befallsstellen.

Kalkputz gegen Schimmel beauftragen in 5 Schritten
  1. Ursache dokumentieren

    Messwerte aus Hygrometer und Infrarotthermometer, Fotos mit Maßstab, Datum. Zuständig: Sie, vor der ersten Anfrage; bei Mietwohnungen zusätzlich der Vermieter.

  2. Befall beseitigen oder beseitigen lassen

    Unter 0,5 Quadratmetern und bekannter Ursache selbst nach den Regeln des Umweltbundesamtes, sonst Fachfirma. Tief befallener Putz wird entfernt. Zuständig: Sie oder Fachfirma, sofort.

  3. Angebot mit Datenblatt einholen

    Putzmörtel mit Kategorie CS, Klasse W und Hauptbindemittel; Anstrich mit Kalk- oder Silikatfarbe; keine Dispersionsfarbe obenauf. Zuständig: Betrieb, mit dem Angebot.

  4. Untergrund prüfen lassen

    Alter Putz auf Festigkeit und Feuchte; bei Zerstörung des Putzgefüges durch Aussalzung oder Aufweichung nach Umweltbundesamt partielle Putzentfernung. Zuständig: Betrieb beim Ortstermin.

  5. Nach dem ersten Winter nachmessen

    Hygrometer und Oberflächentemperatur an denselben Stellen wie vor der Sanierung, Vergleich mit den Ausgangswerten. Zuständig: Sie, im Februar oder März.

Wer diese fünf Schritte geht, weiß am Ende, ob der Kalkputz gewirkt hat oder ob nur der Winter mild war. Ohne die Messwerte vom Anfang lässt sich das nicht unterscheiden, und im zweiten Winter beginnt die Suche von vorn.

Häufige Fragen

Hilft Kalkputz gegen Schimmel?

Kalkputz hilft vorbeugend gegen Schimmel, weil kalkbasierter Putzmörtel nach dem Umweltbundesamt frisch einen pH-Wert über 12 hat und Schimmelpilze oberhalb von pH 11 so gut wie nicht wachsen. Die Wirkung nimmt durch Karbonatisierung mit den Jahren ab und endet, sobald eine Dispersionsfarbe oder eine Staubschicht die Oberfläche bildet. Eine kalte Wand oder dauerhaft feuchte Luft beseitigt Kalkputz nicht.

Wie hoch ist der pH-Wert von Kalkputz?

Kalkbasierter Putzmörtel kann nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes einen pH-Wert von mehr als 12 aufweisen. Kohlendioxid aus der Luft senkt diesen Wert durch Karbonatisierung mit der Zeit. Zum Vergleich: Raufasertapete liegt etwa bei pH 5, ein Kunstharz-Dispersionsanstrich etwa bei pH 8, beides im Bereich, in dem Schimmelpilze gut wachsen.

Ab welcher Luftfeuchtigkeit wächst Schimmel an der Wand?

Schimmel wächst an der Wand nach dem Umweltbundesamt ab einer relativen Feuchte von 70 bis 80 Prozent an der Materialoberfläche, wenn diese über längere Zeit anhält. Bei 80 Prozent sind die Bedingungen für viele Arten erreicht, darüber für nahezu alle. Die Raumluft sollte deshalb zwischen 40 und 60 Prozent liegen; an einer kalten Wand ist die Feuchte direkt an der Oberfläche höher als in der Raummitte.

Wie kalt darf eine Innenwand sein, damit kein Schimmel entsteht?

Eine Innenwandoberfläche soll nach DIN 4108-2 an der ungünstigsten Stelle mindestens 12,6 Grad Celsius haben, bei 20 Grad Raumluft, minus 5 Grad Außenluft und 50 Prozent Luftfeuchte. Das entspricht einem Temperaturfaktor fRsi von mindestens 0,70. Stellen, die im Winter darunter liegen, sind Wärmebrücken oder ungedämmte Flächen und bleiben Schimmelstellen, bis sie gedämmt werden.

Kann ich Kalkputz mit normaler Wandfarbe streichen?

Kalkputz lässt sich mit Dispersionsfarbe streichen, verliert dann aber seine Wirkung gegen Schimmel. Ein Kunstharz-Dispersionsanstrich hat nach dem Umweltbundesamt einen pH-Wert von etwa 8 und liegt damit im Wachstumsbereich der Schimmelpilze. Wer die alkalische Oberfläche behalten will, streicht mit Kalkfarbe oder mit Silikatfarbe, die das Umweltbundesamt wegen ihrer besseren Wischfestigkeit vorzieht.

Ab welcher Größe muss eine Fachfirma den Schimmel entfernen?

Ab einem Befall von mehr als 0,5 Quadratmetern oder bei Befall in tieferen Schichten (Kategorie 3 nach dem Umweltbundesamt) gehört die Sanierung in die Hand einer Fachfirma. Kleinere, oberflächliche Befälle unter 0,5 Quadratmetern mit bekannter Ursache dürfen Betroffene selbst beseitigen, sofern sie nicht allergisch reagieren oder immungeschwächt sind. Bei unbekannter Ursache oder wenn Putz entfernt werden muss, soll ebenfalls eine Fachfirma hinzugezogen werden.

Begriffe aus diesem Artikel im Glossar

  • Kalkputz gegen Schimmel im Innenraum: Kalkputz hat einen hohen pH-Wert, der Schimmelsporen ein ungünstiges Milieu bietet, und ist zugleich stark diffusionsoffen, was Feuchtigkeit reguliert statt sie einzuschließen. Er wird deshalb häufig in schimmelgefährdeten Räumen wie Bädern oder Altbauten empfohlen.
  • Innenputz oder Außenputz: Der Unterschied: Außenputz muss zusätzlich zu Optik und Untergrundschutz Witterung, Schlagregen und Temperaturschwankungen standhalten, weshalb er meist wasserabweisender und schlagfester formuliert ist als Innenputz. Innenputz ist stärker auf Raumklima, Verarbeitbarkeit und Optik ausgelegt.
  • Putzgrund und Haftbrücke: Ein Putzgrund oder eine Haftbrücke bereitet einen Untergrund vor, damit der eigentliche Putz gleichmäßig haftet, besonders bei stark saugenden, glatten oder unterschiedlich strukturierten Untergründen. Ein übersprungener Putzgrund ist eine häufige Ursache für großflächige Ablösungen.
  • Putzschichtdicke und mehrlagiger Aufbau: Größere Unebenheiten im Untergrund erfordern häufig einen mehrlagigen Putzaufbau statt einer einzelnen dicken Schicht, weil eine zu dick aufgetragene Einzellage beim Abbinden reißen oder sich lösen kann.
  • Altbausanierung: Putz und aufsteigende Feuchte: Bei aufsteigender Feuchtigkeit im Mauerwerk speziell verwendete Sanierputze sind kapillaraktiv und diffusionsoffen ausgelegt, damit Feuchtigkeit und darin gelöste Salze aus der Wand entweichen können, ohne die Putzoberfläche zu sprengen.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (Stand April 2024), Umweltbundesamt, Innenraumlufthygiene-Kommission,
  2. Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung (zuletzt aktualisiert 13. Dezember 2024), Umweltbundesamt,
  3. Mindestwärmeschutz: Grundlage energieeffizienter Gebäude (DIN 4108-2, Temperaturfaktor fRsi 0,70, 12,6 Grad), Gebäudeforum klimaneutral, Deutsche Energie-Agentur (dena),
  4. Heizen und Lüften: So geht es richtig (Stand 16. September 2026), Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.,
  5. Kalksandstein Planungshandbuch, Kapitel 5 Mauermörtel und Putz (Stand Januar 2018): Putzmörtel nach DIN EN 998-1, Kategorien CS und W, Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V.,
  6. Druckfestigkeitsklasse (Putz) nach DIN EN 998-1, Lexikon, ausbau+fassade, C. Maurer Fachmedien,
  7. Wärmedämmung: Maßnahmen, Kosten und Förderung, Kosten der Innendämmung (Stand 3. September 2025), co2online gemeinnützige Beratungsgesellschaft mbH,

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Stand dieser Angaben: 20. September 2026.