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Ratgeber

Wie Sie Armierungsgewebe richtig verarbeiten

Armierungsgewebe verteilt Spannungen aus Temperatur und Untergrundbewegung in der Fläche, damit Putz nicht reißt. Es liegt im oberen Drittel einer 4 bis 8 Millimeter dicken Armierungsschicht, die Bahnen überlappen 10 Zentimeter, an jeder Öffnungsecke sitzt ein Diagonalstreifen von etwa 20 mal 30 Zentimetern. Das DIBt verlangt bei schwerentflammbaren EPS-Systemen ein Gewebe von mindestens 150 g/m².

Warum Putz ohne Gewebe reißt und was das Gewebe leistet

Putz ist druckfest und zugschwach. Ein Oberputz von zwei bis drei Millimetern trägt Gewicht, aber er hält keine Zugkraft aus, die ihn auseinanderzieht. Genau diese Zugkräfte entstehen an einer Fassade jeden Tag: Die Sonne erwärmt die Südseite, die Dämmplatten oder das Mauerwerk dehnen sich aus, nachts ziehen sie sich zusammen. Bei einem Wärmedämmverbundsystem kommt dazu, dass jede Dämmplatte eine eigene Fuge hat und die Platten sich gegeneinander bewegen können. Ohne Bewehrung sucht sich die Spannung die schwächste Linie und zeigt sie als Riss.

Das Armierungsgewebe ist die Bewehrung des Putzes, so wie Stahl die Bewehrung des Betons ist. Es besteht aus alkalibeständig ausgerüsteter Glasfaser mit einer Maschenweite von etwa 4 mal 4 Millimetern. Alkalibeständig heißt, dass die Fasern im basischen Milieu des Zement- oder Kalkmörtels nicht zerfallen. Das Praxismerkblatt des Herstellers Brillux nennt für sein Standardgewebe ein Flächengewicht von etwa 160 g/m² und eine Reißfestigkeit von mehr als 2.150 Newton je 50 Millimeter Breite bei Auslieferung. Eingebettet in den Armierungsmörtel nimmt das Gewebe die Zugkräfte auf und verteilt sie auf die ganze Fläche, statt sie an einer Plattenfuge zu bündeln.

Mindestflächengewicht des Armierungsgewebes bei schwerentflammbaren EPS-Systemen
150 g/m²
Deutsches Institut für Bautechnik, Hinweis WDVS mit EPS-Dämmstoff, Stand 27. Mai 2015
Überlappung der Gewebebahnen
etwa 10 Zentimeter
Brillux, Praxismerkblatt 3797 WDVS Glasseidengewebe, Stand 23. Oktober 2025
Mindestverarbeitungstemperatur für mineralische Armierungsputze
plus 5 Grad Celsius, Silikatprodukte plus 8 Grad
Relius, Verarbeitungsrichtlinien Wärmedämm-Verbundsysteme, Stand 1. Februar 2018

Die Wirkung hängt an der Einbettung, nicht am Gewebe allein. Ein Gewebe, das trocken auf die Dämmplatte gelegt und dann überspachtelt wird, liegt an der Unterseite der Schicht und trägt fast nichts. Ein Gewebe, das im oberen Drittel des frischen Mörtels liegt, sitzt dort, wo die Zugspannung am größten ist, nämlich nahe der Oberfläche, die sich mit der Sonne bewegt. Der Unterschied ist von außen unsichtbar und entscheidet nach dem ersten Winter darüber, ob die Fassade Risse zeigt.

Welche 7 Regeln bei der Verarbeitung gelten

Die Regeln stehen in der DIN 55699, der Norm für die Verarbeitung von Wärmedämm-Verbundsystemen mit EPS oder Mineralwolle in der Ausgabe 2017-08, in der Zulassung des jeweiligen Systems und in den Verarbeitungsrichtlinien der Systemanbieter. Die Norm ist kostenpflichtig, die Richtlinien der Hersteller sind frei zugänglich und sagen im Kern dasselbe. Aus den Richtlinien von Brillux (Stand 23. Oktober 2025) und Relius (Februar 2018) sowie dem Hinweis des Deutschen Instituts für Bautechnik ergeben sich diese sieben Regeln:

  • Die Armierungsmasse wird zuerst in voller Schichtdicke aufgetragen, das Gewebe dann in den frischen Mörtel eingedrückt. Nie trocken auflegen und überspachteln.
  • Das Gewebe liegt im oberen Drittel der Armierungsschicht und ist vollständig bedeckt; an keiner Stelle darf die Struktur des Gewebes an der Oberfläche durchzeichnen.
  • Die Bahnen überlappen an allen Stößen und Schnittstellen mindestens 10 Zentimeter. Ein stumpfer Stoß ohne Überlappung ist eine Sollbruchstelle.
  • Die Schichtdicke richtet sich nach dem System: mineralische Armierungsputze etwa 4 bis 8 Millimeter, organische, pastöse Armierungsmassen höchstens 4 Millimeter.
  • Das Gewebe wird faltenfrei und blasenfrei eingearbeitet, in senkrechten oder waagerechten Bahnen, und bis an jeden Flächenabschluss geführt und dort mit dem Messer abgeschnitten.
  • Einschnitte für Gerüstanker oder Durchdringungen werden mit einem zusätzlichen Gewebestreifen überdeckt.
  • Oberflächen- und Lufttemperatur liegen bei mineralischen Produkten über 5 Grad, bei Silikatprodukten über 8 Grad; bei Sonne, Regen und Wind wird das Gerüst abgeplant.
Kennwerte für die Armierungsschicht aus zwei Herstellerrichtlinien und dem DIBt-Hinweis. Wo die Angaben abweichen, gilt die Zulassung des verwendeten Systems.
KennwertBrillux, Praxismerkblatt 3797 (Oktober 2025)Relius, Verarbeitungsrichtlinien (Februar 2018)DIBt-Hinweis (Mai 2015)
Flächengewicht des Gewebesetwa 160 g/m²mehr als 150 g/m²mindestens 150 g/m²
Maschenweiteetwa 4 mal 4 mmkeine Angabekeine Angabe
Überlappung der Bahnenetwa 10 cmmindestens 10 cmkeine Angabe
Lage im Mörtelabhängig von Armierungsmasse und Schichtdicke, nach Systembeschreibungimmer im oberen Drittelkeine Angabe
Dicke der Armierungsschichtnach Systembeschreibungmineralisch etwa 4 bis 8 mm, organisch höchstens 4 mmPutzsystem gesamt mindestens 4 mm bis zum dritten Brandriegel
Diagonalarmierung an Öffnungseckenetwa 20 mal 30 cmetwa 20 mal 40 cm oder Gewebepfeilkeine Angabe
Trocknung vor dem Oberputzetwa 3 Tagekeine Angabekeine Angabe
Mindesttemperaturkeine Angabeplus 5 Grad, Silikat plus 8 Gradkeine Angabe

Wo Diagonalarmierung und Eckwinkel Pflicht sind

Die Ecken von Fenstern, Türen und Nischen sind die Stellen, an denen sich die Spannung der ganzen Fläche bündelt. Deshalb reißt ein Putz, wenn er reißt, zuerst schräg aus der Fensterecke heraus. Beide Herstellerrichtlinien verlangen dort vor der Flächenarmierung eine Diagonalbewehrung: einen Gewebestreifen von etwa 20 mal 30 Zentimetern (Brillux) oder 20 mal 40 Zentimetern (Relius), der diagonal über die Ecke gelegt wird, oder einen vorgefertigten Gewebepfeil. Relius verlangt zusätzlich, dass der erste Faden des Diagonalgewebes durch die Ecke läuft; ein Streifen, der die Ecke nur berührt, bewehrt sie nicht.

An allen Außenkanten des Gebäudes, an Laibungen und Stürzen kommen vor der Flächenarmierung Eckschutzschienen mit angehängtem Gewebe oder Eckwinkel aus Gewebe. Bei Schienen aus Aluminium ohne Gewebe muss das Flächengewebe mindestens 10 Zentimeter um die Ecke herumgeführt werden. An Gebäudeinnenecken wird das Gewebe durch die Ecke geführt, und bei schwerentflammbaren EPS-Systemen verlangt der DIBt-Hinweis dort bis zum dritten Brandriegel Eckwinkel aus Glasfasergewebe mit 280 g/m² und einer Reißfestigkeit über 2,3 Kilonewton je 5 Zentimeter.

  1. Dämmplatten an der Öffnung so ausklinken, dass in den Ecken keine Plattenfugen kreuzen; Anputzleiste mit Gewebefahne am Fensterrahmen in einem Stück setzen (Längen 1,20 oder 2,40 Meter, nicht gestückelt).
  2. Eckschutzschienen oder Gewebe-Eckwinkel lot- und fluchtrecht an die Laibungskanten und den Sturz setzen und in Armierungsmörtel einbetten.
  3. An allen vier Ecken der Öffnung Diagonalstreifen oder Gewebepfeile einbetten, den ersten Faden durch die Ecke.
  4. Laibungen mit Gewebewinkeln armieren, waagerecht und senkrecht stumpf an die Innenecke stoßend, Überlappung zum Flächengewebe mindestens 10 Zentimeter.
  5. Flächengewebe in den frischen Mörtel einbetten, an der Laibungskante stumpf enden lassen oder über die Winkel führen, Oberfläche glätten und etwa drei Tage trocknen lassen.

Diese fünf Schritte kosten an einem Fenster eine halbe Stunde und ein paar Quadratmeter Gewebe. Wer sie auslässt, spart heute wenig und zahlt in drei Jahren die Rissverpressung. Beim Angebotsvergleich erkennen Sie die Sorgfalt an einer eigenen Position für Diagonalarmierung, Eckschutzschienen und Anputzleisten je Öffnung.

Warum das Gewebe zum Brandschutz gehört

Beim Wärmedämmverbundsystem mit EPS ist die Armierungsschicht auch die Schicht, die den brennbaren Dämmstoff vom Feuer trennt. Deshalb steht das Gewebe im Hinweis des Deutschen Instituts für Bautechnik vom 27. Mai 2015 zwischen den Brandschutzmaßnahmen: Vom unteren Rand des Systems bis zum dritten Brandriegel muss das Putzsystem aus Unterputz und Oberputz mindestens 4 Millimeter dick sein, das Gewebe mindestens 150 g/m² wiegen und das EPS höchstens 25 kg/m³ Rohdichte haben. Ein Brandriegel ist ein umlaufender Streifen aus Steinwolle, der die Dämmung waagerecht unterbricht; das Gewebe läuft über ihn hinweg und bindet ihn in die Fläche ein.

Aus demselben Grund darf das Gewebe kein beliebiges Gewebe sein. Nach der Technischen Systeminfo des Fachverbands Wärmedämm-Verbundsysteme dürfen grundsätzlich nur Systembestandteile verwendet werden, die in der Zulassung des Systems genannt sind und vom Zulassungsinhaber geliefert werden. Ein Gewebe vom Discounter mit 145 g/m² erfüllt vielleicht die Zugfestigkeit, ist aber nicht das geprüfte Bauteil, und im Brandfall gilt das System dann nicht mehr als schwerentflammbar.

Woran Sie Fehler nach dem ersten Winter erkennen

Fehler in der Armierung zeigen sich selten bei der Abnahme und fast immer nach dem ersten oder zweiten Winter, wenn Frost und Sonne die Fassade einige hundert Mal gedehnt und zusammengezogen haben. Das Rissbild verrät die Ursache. Schräge Risse aus den Ecken von Fenstern und Türen zeigen fehlende oder falsch gelegte Diagonalarmierung. Ein Netz aus geraden Linien, das den Plattenfugen der Dämmung folgt, zeigt Gewebe, das zu tief liegt oder an den Stößen nicht überlappt. Eine sichtbare Gewebestruktur unter dem Oberputz zeigt zu wenig Mörtel über dem Gewebe.

Rissbilder an verputzten Fassaden und ihre wahrscheinliche Ursache. Die Bewertung als Mangel richtet sich nach Rissbreite und Funktion, nicht nach der Optik allein.
RissbildWahrscheinliche UrsachePrüfschritt
Schräge Risse ab 45 Grad aus Fenster- oder TüreckenDiagonalarmierung fehlt oder der erste Faden lief nicht durch die EckeAngebot und Fotos prüfen: Gab es eine Position und einen Nachweis für Diagonalstreifen je Öffnung?
Gerade Risse im Raster der Dämmplatten (etwa 50 mal 100 cm)Gewebe zu tief eingebettet, Bahnen ohne Überlappung oder Platten mit VersatzRissverlauf mit dem Plattenmaß vergleichen; Überlappung im Bautagebuch nachsehen
Lange waagerechte Risse in GeschosshöheBrandriegel nicht in die Armierung eingebunden oder Übergang unterschiedlicher Dämmstoffe ohne ZusatzgewebeLage der Brandriegel laut Fotodokumentation mit dem Riss vergleichen
Netzartige Haarrisse in der Fläche unter 0,2 MillimeternSchwinden des Oberputzes, zu schnelle Trocknung bei Sonne oder WindRissbreite messen; unter 0,2 Millimetern meist kein Mangel
Gewebestruktur zeichnet sich durch den Oberputz abZu wenig Armierungsmörtel über dem Gewebe, Gewebe trocken aufgelegtSchichtdicke an einer unauffälligen Stelle messen lassen

Nicht jeder Riss ist ein Mangel. Nach der Einordnung des Sachverständigen Frank Frössel in der Fachzeitschrift Bauhandwerk gelten Haarrisse bis 0,2 Millimeter Breite nach DIN 18550 in begrenztem Umfang als nicht zu bemängeln, und die DIN EN 13914-1 sieht bei wasserabweisenden Putzen die Funktion bis zu dieser Breite nicht beeinträchtigt. Für Wärmedämmverbundsysteme nennen die Normen DIN EN 13499 und 13500 je nach Dämmstoff Toleranzen von 0,2 bis 0,3 Millimetern. Ein Riss, der breiter ist, der Wasser aufnimmt oder einem erkennbaren Muster folgt, ist dagegen ein Mangel.

Ist dieser Riss in der Fassade ein Mangel?

Ist der Riss breiter als 0,2 Millimeter, etwa so breit wie eine Bleistiftmine?

Ja

Ja, das ist ein Mangel. Melden Sie ihn schriftlich innerhalb der fünfjährigen Frist nach § 634a BGB und verlangen Sie Nachbesserung.

Nein

Folgt der Riss einem Muster: schräg aus einer Ecke, im Raster der Platten oder waagerecht in Geschosshöhe?

Ja

Wahrscheinlich ein Ausführungsfehler in der Armierung, auch wenn der Riss noch schmal ist. Fotografieren Sie ihn mit Maßstab und Datum, melden Sie ihn schriftlich und lassen Sie ihn nach dem nächsten Winter erneut messen.

Nein

Vermutlich Schwindrisse des Oberputzes. Beobachten und dokumentieren; nach der Fachliteratur kein Mangel, solange die Breite unter 0,2 Millimetern bleibt und kein Wasser eindringt.

So sichern Sie Ausführung und Gewährleistung in 5 Schritten

Das Gewebe verschwindet unter dem Oberputz, und mit ihm jeder Beweis für seine Lage. Was Sie nicht vor dem Oberputz festhalten, können Sie später nur noch durch eine Bohrkernentnahme belegen. Diese fünf Schritte sichern die Ausführung, bevor sie unsichtbar wird, und die Gewährleistung, nachdem sie es geworden ist.

Armierung nachweisbar machen in 5 Schritten
  1. Zulassung und Gewebe benennen lassen

    Im Angebot: Zulassungsnummer des Systems, Bezeichnung und Flächengewicht des Gewebes, Positionen für Diagonalarmierung und Eckschutz je Öffnung. Zuständig: Betrieb, vor Vertragsschluss.

  2. Armierung fotografieren, bevor sie trocknet

    Fotos der eingebetteten Gewebebahnen mit sichtbarer Überlappung, der Diagonalstreifen und der Brandriegel, mit Datum. Zuständig: Betrieb oder Sie, am Tag der Armierung.

  3. Trocknungszeit einhalten

    Etwa drei Tage zwischen Armierung und Oberputz nach Brillux, länger bei Kälte und hoher Luftfeuchte. Zuständig: Betrieb; Sie prüfen die Daten im Bautagebuch.

  4. Abnahme mit Protokoll

    Gemeinsamer Rundgang, sichtbare Risse mit Breite und Lage eintragen, Rechte wegen bekannter Mängel vorbehalten (§ 640 Absatz 3 BGB), Bestätigung der zulassungskonformen Ausführung entgegennehmen. Zuständig: beide Seiten, am Fertigstellungstag.

  5. Nach dem ersten und zweiten Winter prüfen

    Fassade im Frühjahr bei Streiflicht absuchen, Risse messen und fotografieren, Befunde schriftlich melden. Die Verjährung der Mängelansprüche läuft nach § 634a BGB fünf Jahre ab Abnahme. Zuständig: Sie, jeweils im März oder April.

Der letzte Schritt ist der, den die meisten Eigentümer auslassen. Eine Fassade sieht im ersten Sommer tadellos aus, und die fünf Jahre vergehen schneller als der dritte Winter. Ein Kalendereintrag für den ersten Frühling nach der Abnahme kostet nichts und sichert den einzigen Anspruch, den Sie gegen einen Armierungsfehler haben.

Häufige Fragen

Wie viel müssen sich Armierungsgewebe-Bahnen überlappen?

Armierungsgewebe-Bahnen müssen sich an allen Stößen und Schnittstellen etwa 10 Zentimeter überlappen. Brillux nennt in seinem Praxismerkblatt etwa 10 Zentimeter, Relius mindestens 10 Zentimeter, und bei Eckwinkeln gilt dieselbe Überlappung zum Flächengewebe. Ein stumpfer Stoß ohne Überlappung ist eine Sollbruchstelle, an der der Putz später reißt.

Wo muss das Armierungsgewebe im Putz liegen?

Das Armierungsgewebe muss im oberen Drittel der Armierungsschicht liegen und vollständig mit Mörtel bedeckt sein. Dafür wird die Armierungsmasse zuerst in voller Dicke aufgetragen und das Gewebe dann in den frischen Mörtel eingedrückt. Trocken auf die Dämmplatte gelegtes und überspachteltes Gewebe liegt zu tief und verliert seine Wirkung.

Wie schwer muss Armierungsgewebe im WDVS sein?

Armierungsgewebe im Wärmedämmverbundsystem wiegt üblicherweise etwa 160 g/m² bei einer Maschenweite von etwa 4 mal 4 Millimetern. Bei schwerentflammbaren Systemen mit EPS verlangt der Hinweis des Deutschen Instituts für Bautechnik vom 27. Mai 2015 mindestens 150 g/m², an Gebäudeinnenecken Eckwinkel mit 280 g/m². Maßgeblich ist das Gewebe, das in der Zulassung des Systems genannt ist.

Wie lange muss die Armierungsschicht trocknen, bevor der Oberputz kommt?

Die Armierungsschicht braucht nach dem Praxismerkblatt von Brillux etwa drei Tage Abbinde- und Trocknungszeit, bevor die Schlussbeschichtung aufgetragen wird. Bei niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchte verlängert sich die Zeit; unter 5 Grad Celsius dürfen mineralische Armierungsputze nach den Relius-Richtlinien gar nicht verarbeitet werden.

Ab wann ist ein Riss im Fassadenputz ein Mangel?

Ein Riss im Fassadenputz gilt nach DIN 18550 und DIN EN 13914-1 bis 0,2 Millimeter Breite in begrenztem Umfang als hinnehmbarer Haarriss, sofern die Funktion des Putzes nicht beeinträchtigt ist. Breitere Risse, Risse mit erkennbarem Muster aus Fensterecken oder im Plattenraster und Risse, die Wasser aufnehmen, sind Mängel. Sie müssen innerhalb von fünf Jahren nach der Abnahme gerügt werden.

Kann Armierungsgewebe auch auf alten Putz aufgebracht werden?

Ja, Armierungsgewebe wird auch zur Sanierung gerissener Putzfassaden verwendet, mit anschließendem neuen Oberputz. Der alte Putz muss dafür fest, sauber, trocken und tragfähig sein; nicht tragfähige Putze werden nach dem Brillux-Merkblatt restlos entfernt und größere Unebenheiten mit Putz der Festigkeitsklasse CS II bis CS IV ausgeglichen. Eine Armierung überbrückt Risse, beseitigt aber nicht deren Ursache im Untergrund.

Begriffe aus diesem Artikel im Glossar

  • Gewährleistung bei Putz- und Stuckateurarbeiten: Für Putzarbeiten, die fest mit einem Gebäude verbunden sind, etwa ein Fassadenputz, gilt die fünfjährige Gewährleistungsfrist für Bauwerke nach § 634a BGB. Bei VOB/B-Verträgen sind es vier Jahre.
  • Armierungsgewebe: Funktion und Verarbeitung: Das Armierungsgewebe ist ein kunststoffummanteltes Glasfasergewebe, das in die Armierungsschicht eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) eingebettet wird und Spannungen aus Temperaturschwankungen oder Bewegungen im Untergrund flächig verteilt, statt sie sich an einer Stelle als Riss zeigen zu lassen.
  • Putzschichtdicke und mehrlagiger Aufbau: Größere Unebenheiten im Untergrund erfordern häufig einen mehrlagigen Putzaufbau statt einer einzelnen dicken Schicht, weil eine zu dick aufgetragene Einzellage beim Abbinden reißen oder sich lösen kann.
  • Eckschutzschienen und Fugenprofile: Eckschutzschienen sichern besonders beanspruchte Gebäude- und Fensterkanten gegen Stoßschäden und Rissbildung, Fugenprofile nehmen gezielt Bewegungen zwischen unterschiedlichen Bauteilen auf, etwa am Übergang zwischen Fassade und Fensterrahmen.
  • Abnahme der Putzarbeiten: Die Abnahme ist die förmliche Erklärung des Auftraggebers, dass die Putzarbeiten im Wesentlichen vertragsgerecht ausgeführt wurden. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Gewährleistungsfrist, und die Beweislast für Mängel wechselt zum Auftraggeber.
  • Wärmedämmverbundsystem: Grundaufbau: Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) besteht im Grundaufbau aus Klebeschicht, Dämmplatte, Dübelung, Armierungsschicht mit eingebettetem Gewebe und abschließendem Oberputz mit Anstrich. Jede Schicht erfüllt eine eigene Funktion, ein Weglassen einer Schicht gefährdet meist die Funktion des gesamten Systems.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. § 634a und § 640 BGB, Verjährung der Mängelansprüche und Abnahme, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  2. Hinweis Referat II 1: WDVS mit EPS-Dämmstoff, konstruktive Ausbildung von Maßnahmen zur Verbesserung des Brandverhaltens (Stand 27. Mai 2015), Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt), Spiegelung beim Systemhersteller Caparol,
  3. DIN 55699:2017-08, Verarbeitung von außenseitigen Wärmedämm-Verbundsystemen (Titel, Anwendungsbereich und Inhaltsverzeichnis), Baunormenlexikon, Verlag Rudolf Müller,
  4. Technische Systeminfo 6: WDV-Systeme zum Thema Brandschutz (Stand 03/2014), Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme e.V., Baden-Baden,
  5. Praxismerkblatt 3797: WDVS Glasseidengewebe zur Ausbildung der Armierungsschicht (Stand 23. Oktober 2025), Brillux GmbH & Co. KG, Münster,
  6. Verarbeitungsrichtlinien RELIUS Wärmedämm-Verbundsysteme (Februar 2018), Relius Farbenwerke GmbH,
  7. Ab wann ein Riss ein Mangel ist (Bauhandwerk 03/2010, Frank Frössel, Sachverständiger für Bautenschutz und Bausanierung), Bauverlag, Fachzeitschrift Bauhandwerk,

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Stand dieser Angaben: 20. September 2026.